Die Stadionkapelle in Thannhausen (Heimatheft  Nr. 5)


Im Jahre 1722 wurde die Stadionkapelle - ein achteckiger Bau -  eingeweiht.
Sie erhielt ihren Namen nach dem damaligen Ortsherrn und Stifter Johann Philipp Graf von Stadion.
Sie wurde auf dem Platz der ehemaligen jüdischen Synagoge errichtet, nachdem 1717/18 alle ortsansässigen Juden
ausgewiesen und 1719 Synagoge und Judenschule abgerissen worden waren.


Das Altarbild von Johann Georg Bergmiller (Bergmüller) zeigt Graf von Stadion mit seinen drei Frauen beim Gebet.
Seine 24 Kinder aus den drei Ehen sind als Herzen auf Leuchtern dargestellt.     Bild daneben: Deckengemälde

     
In den Jahren 2001 - 2003 wurde die Stadionkapelle grundlegend restauriert.       Bildausschnitt: Altar

   
In der Stadionkapelle befindet sich noch der Opferstock aus der alten Synagoge von 1627.

     
  Infotafel am Eingang                                                              Doppelgestuftes Dach mit Türmchen

      
Heute finden in der Kapelle Gottesdienste, Hochzeiten, Konzerte und Ausstellungen statt.
Mechthild Gräfin von Schönborn begrüßt die Gäste.        Rechts: Das Wappen der Grafen von Stadion

 
Vasyl Zakopetz (Oboe), Robert Sittny (Continuo) und Berhard Büsch (Violine) beim Konzert am 14.10.2007

    

Infos über die Familie der Grafen von Schönborn  In Thannhausen und Oberstadion Erben der 1908 ausgestorbenen Grafen von Stadion - Thannhausen
Weitere Infos zur alten Synagoge:  http://alemannia-judaica.de/thannhausen_synagoge.htm
http://www.evkth.de/pageID_3297239.html
  Infos zur Stadionkapelle, die von 1949-1966 der evangelischen Kirchengemeinde als Kirche diente.

"Seit mehr als 17 Jahren hat die Stadion-Kapelle den Evangelischen als Gotteshaus gedient. Betrachten wir aus diesem Anlass die Geschichte dieses Bauwerks. Die Kapelle geht auf das Jahr 1791 zurück und steht auf dem Platz der alten jüdischen Synagoge. Aus diesem Grunde wird sie im Volksmund auch heute noch „Judenkapelle“ genannte. Der Name „Stadionkapelle“ stammt von den damaligen Besitzern der Reichsgrafschaft Thannhausen, den Grafen von Stadion, die einst Inhaber der Herrschaft Thannhausens waren. Im Jahre 1706 nahm Graf Johann Philipp von Stadion die Reichsgrafschaft in seinen Besitz. Er hatte die Gemeinde von Kurfürst Johann Wilhelm Pfalzgraf bei Rhein erworben, dessen Vorgänger Graf von Sinzenberg war. Schon bald nach der Inbesitznahme erbat sich der Graf beim Kaiser die Erlaubnis, die Juden ausweisen zu dürfen. Dies wurde ihm 1718 gewährt und schon ein Jahr später wurde die Synagoge samt der anschließenden Judenschule abgerissen. Am 17.September des gleichen Jahres stiftete Graf Philipp von Stadion 1500 Gulden zum Bau einer Kapelle auf dem Platz der alten Synagoge. Am 8.August 1720 wurde in feierlicher Weise der Grundstein zur Kapelle gelegt, deren Bau sich anschließend volle drei Jahre hinzog. Sie wurde in der Hauptsache von einheimischen Handwerkern errichtet, nur das Altarbild, die Glocke und die Monstranz stammen von Augsburger Meistern, während der Dachstuhl in Ulm gefertigt wurde. Die Gesamtkosten beliefen sich einschließlich Einrichtung und Messgerät auf 4991 Gulden und 44 Kreuzer. Die Einweihung nahm der Augsburger Weihbischof Johannes Jakobus am 18.Oktober 1722 vor, während der erste Gottesdienst am 8.April 1723 stattfand.
Neben einigen kleineren Verbesserungen wurde die Kapelle im Jahre 1935 renoviert, wobei auch das Bergmiller-Gemälde freigelegt und konserviert wurde. Das wohl bemerkenswerteste Stück im Innern der Kapelle stellt der uralte ehemalige Opferstock dar, der noch aus der Judensynagoge stammt. Sonst wäre noch das Altarbild von Bergmiller zu erwähnen, das den Grafen von Stadion mit seinen drei Frauen in der Anbetung des Allerheiligsten in der Monstranz zeigt, wobei seine Kinder als Flamme dargestellt sind."