Presseartikel über Christoph von Schmid 

Sie schafften die geistigen Grundlagen
Von Christoph von Schmid, Anton Höfer und anderen bedeutenden Persönlichkeiten aus der Mindelstadt Thannhausen - 
Serie (Teil 13)

Von unserem Mitarbeiter Dr. Heinrich LindenmayrPortrait: Christoph von Schmid       Thannhausen

Man stelle sich vor, in Thannhausen lebte und wirkte heute der erfolgreichste Jugendschriftsteller unserer Zeit. Seine Werke würden in viele Sprachen übersetzt, erreichten Millionen-Auflagen, es gäbe Verfilmungen dazu, Hörspiele, Musicals, Spielzeug nach Motiven der Bücher und vieles mehr. Ein Teil der Aufmerksamkeit für den Schriftsteller fiele auf Thannhausen als der „Wiege“ der so erfolgreichen Werke, Thannhausen wäre in aller Munde. Zur reichen geistigen Vergangenheit Thannhausens gehört Christoph von Schmid, der bedeutendste Jugendschriftsteller seiner Zeit. Ihm zur Seite stehen in der „Ahnengalerie“ Thannhausens Literaten, Komponisten, Baumeister, Pädagogen und von Visionen beflügelte Tatmenschen.

Wäre er nicht durch die vielfältigen Aufgaben als Kaplan und Schulinspektor während der Thannhauser Jahre von 1796 bis 1816 so in Anspruch genommen gewesen, es wäre ein Schriftsteller aus ihm geworden, beklagt sich Christoph von Schmid in seinen Lebenserinnerungen. Sein Verhältnis zur Mindelstadt ist ein zwiespältiges. Er weiß, dass er hier ein reiches Feld fruchtbarer Arbeit vorfand, das ihn prägte und aus dem er Impulse erhielt. „Ich ging zu Kindern selbst in die Schule und lernte von ihnen“, soll er, nach seinem schriftstellerischen Erfolgsrezept befragt, geantwortet haben. Andererseits kostete ihn der Alltag auf seinem Thannhauser Benefizium so viel Kraft und Zeit, dass an eine ausgedehnte schriftstellerische Tätigkeit nicht zu denken war. Man kann also nur spekulieren, was geworden wäre, hätte Schmid in den Thannhauser Jahren sich intensiv dem Schreiben widmen und seine literarischen Produkte schon damals veröffentlichen können. Vielleicht wäre er schon früher berühmt geworden, vielleicht wäre ein Teil von dem Glanz auf Thannhausen gefallen.Schmid konnte erst in späteren Lebensjahren, als die große Arbeitsbelastung der Thannhauser Zeit von ihm genommen war, sich intensiv dem Schreiben und Publizieren widmen. Doch auch wenn die in Thannhausen verfassten beiden Erzählungen „Genovefa“ und „Die Ostereier“ sowie die „Biblische Geschichte für Kinder“ nur einen Bruchteil seines Werkes ausmachen, es sind die erfolgreichsten und wirkungsmächtigsten Arbeiten von Schmid. Das Wenige, das in Thannhausen entstehen konnte, es war und blieb sein Bestes. Die „Biblische Geschichte für Kinder“ wurde bald ein Standardwerk für den Schulunterricht in und außerhalb Bayerns. Die 1810 erstmals in Druck erschienene Erzählung „Genovefa“ erreichte bis 1840 etwa 25 Auflagen und wurde in ebenso viele Sprachen übersetzt. Vor allem in Frankreich war Christoph von Schmid außerordentlich geschätzt, die erste Ausgabe der Schmidschen Erzählungen auf Französisch erschien 1830 in Paris. Die „Genovefa“ in der Fassung von Schmid wurde rasch so populär, dass sich andere Autoren angeregt fühlten, den Stoff anderweitig zu bearbeiten: 1830 entstand die erste Theaterfassung, ein paar Jahre später ein Volksschauspiel in fünf Aufzügen.

Aus der „Genovefa“ wurde ein Puppenspiel, sie wurde Gegenstand von Gedichten und Balladen. Bis nach dem 2. Weltkrieg hielt die Erfolgsgeschichte an. Heutige Leser empfinden die Geschichte zu sehr mit Unterweisungen und Belehrung befrachtet. Was Schmid damals auszeichnete, die geschickte Verbindung von Literatur und Pädagoge ist in diesem Maße nicht mehr gefragt. Während der Jahre, die Christoph von Schmid in Thannhausen verbrachte, kam dort ein zweiter bedeutender Jugendschriftsteller zur Welt, Wilhelm Bauberger. Er war Arzt, nahm aber großen Einfluss auf das kulturelle Leben Thannhausens. In seinem Haus auf dem Schlossberg gab es ein „Bilderzimmer“, in dem 19 Ölgemälde Szenen aus seinen literarischen Werken darstellten. Bauberger ließ unterhalb seines Anwesens eine Theaterhalle errichten und dort Schauspiele aufführen, wozu der Augsburger Komponist und Domkapellmeister Carl Kammerlaender Musik schrieb. Sein erfolgreichstes Werk, das im 19. Jahrhundert weite Verbreitung fand, war die Erzählung „Die Beatushöhle“. Er hatte es bereits als 19-jähriger Medizinstudent verfasst. Zeit seines Lebens fügte er allen Werktiteln „Der Verfasser der Beatushöhle“ hinzu. Zu den Weggefährten Christoph von Schmids in Thannhausen gehörte der Pädagoge und Musiker Anton Höfer (1793 bis 1837). Im Verbund mit ihm, dem gewissenhaften Lehrer und glänzend begabten Musiker, konnte Schmid eine seiner Ideen realisieren, nämlich den Volksgesang in Kirche und Schule einzuführen und zu kultivieren. Die Arbeitsteilung, dass Schmid Liedtexte entwarf und Höfer sie vertonte, trug reiche Frucht. Vieles davon ist bis heute in Gebrauch (Ihr Kinderlein kommet...).Noch bekannter als des Vaters Kirchenlieder, sind die des in Thannhausen geborenen Sohnes Albert Höfer (1802 bis 1857). Viele hochpoetische Texte aus dem „Gotteslob“ und viele bekannte Melodien stammen aus der Feder von Albert Höfer, der schon mit 23 Jahren die Priesterweihe erhielt und zeitweilig auch Landtagsabgeordneter war. Gäbe es eine Untersuchung darüber, welche Kirchenlieder am meisten gespielt werden, von Höfer gäbe es einige aussichtsreiche Kandidaten für Spitzenplätze, vor allem sein strahlendes, bei schwäbischen Osterfeiern unverzichtbares „Jesus lebt“. Deutliche Spuren in Thannhausen und in Mittelschwaben hinterließ der Baumeister Johann Kaspar Radmiller (1692 bis 1775), der 1729 nach Thannhausen kam und dort bis zu seinem Tod lebte. Er baute die Pfarrkirche (1743); Amtshaus für die Grafen Stadion (heute Birnbaum-Apotheke), ein herrschaftliches Wohnhaus (späteres Rentamt) und gestaltete die Fassade des Gerichtshauses (heute Gassnerhaus). Die Wallfahrtskirche von Mindelzell, die Pfarrkirche in Ichenhausen, das Schloss in Burtenbach sind weitere Zeugen der Baukunst von Radmiller, der auch maßgeblich am Entwurf und dem Bau des Reichsstifts Ottobeuren mitwirkte.

Ganz entschieden profitierte der Markt Thannhausen von den Visionen und der Tatkraft eines Jakob Zwiebel, der von 1896 bis 1918 Pfarrer in Thannhausen war. Die Liste dessen, was er dem Markt gab, ist imposant, die zeitliche Abfolge beeindruckend: Zwiebel initiierte ein Jahr nach seinem Amtsantritt die Raiffeisenbank (1897), gründete einen katholischen Gesellenverein (1898). Das Christoph-von-Schmid-Denkmal ist sein „Werk“ (1901) und 1908 ließ er eine Gedenktafel am Bauberger-Haus anbringen. Er gab die Impulse zum Bau eines Elektrizitäts-Werks (1903), unter seiner Regie wurden der Friedhof erweitert (1904) die Lourdes-Kapelle (1904) und ein Leichenhaus gebaut (1907). Zwiebel rief die ambulante Krankenpflege ins Leben (1906) und setzte seinen erheblichen Einfluss dafür ein, dass Thannhausen ein Krankenhaus bekam (1913). Kaufmännisches Talent und eine soziale Ader zeichnen auch Franz Xaver Stadler (1789-1865) aus. Der gebürtige Thannhauser war erfolgreicher Geschäftsmann und wurde zum Wohltäter: auf ihn gehen die Armen-Getreide-Stiftung (1850) in Augsburg und der Bau eines Altenheimes, des Stadlerstifts, in seiner Heimatstadt (1865) zurück. Seiner besonderen Bürger gedenkt Thannhausen heute in besonderer Weise: im Heimatmuseum befinden sich Zimmer, die dem Leben und Wirken eines Christoph-von-Schmid und eines Wilhelm Bauberger gewidmet sind. Das Schmid-Zimmer soll nach und nach dem Studierzimmer Schmids in Augsburg nachgestaltet werden, das Bauberger-Zimmer war von Anfang an als „Bilderzimmer“ angelegt, wie es der Dichter in seinem Wohnhaus auf dem Schlossberg hatte.

10.05.2003 00:00
"Ihr Kinderlein kommet" in Nassenbeuren
Mindelheim gedenkt des 150. Todestages des Kinder- und Jugendbuchschriftstellers Christoph von Schmid

Mindelheim (sh/vj). Das bekannte Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“ wurde wohl an Weihnachten 1794 in Nassenbeuren von Pfarrer Christoph von Schmid geschrieben. Die Stadt Mindelheim wird mit mehreren Veranstaltungen dem 150. Todestag des wohl erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchschriftstellers des 19. Jahrhunderts gedenken. Den Auftakt bildet, so teilt Kulturamtsleiter Christian Schedler mit, eine Weihnachtsvesper bei Kerzenschein mit Liedern und Texten Christoph von Schmids und eine Kindersegnung am Sonntag, 28. Dezember, um 16 Uhr in der prachtvollen spätbarocken Maria-Schnee-Kapelle in Nassenbeuren. Mindelheimer Kinder singen dabei „Ihr Kinderlein kommet“ in der ursprünglichen und der heute bekannten Fassung. Bereits im Vorfeld wurden Fernseh-Aufnahmen gemacht. In der Rundschau des 3. Fernsehprogrammes des Bayerischen Rundfunks werden kurze Einblendungen am heutigen Dienstag, 23. Dezember um 21.30 Uhr, sowie im Allgäu-TV am 2. Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, um 18 Uhr, zu sehen sein. 

Der Lebensweg   Über den Lebensweg von Christoph von Schmid referierte kürzlich Heimatpfleger Erwin Holzbaur vor der Katholischen Erziehergemeinschaft im Pfarrsaal in Mindelheim.Geboren wurde Schmid 1768 in Dinkelsbühl. Schon in jüngsten Schülerjahren verdiente er sich als Privatlehrer seinen Unterhalt. Gerne las er die großen deutschen Klassiker wie Herder, Lessing oder Goethe. Doch entscheidend für seinen Lebensweg war für ihn die Begegnung mit dem Priester und Erzieher Johann Michael Sailer, dem späteren Bischof von Regensburg.Reiche KrippenlandschaftNach seiner Priesterweihe war er für einige Jahre Kaplan in Nassenbeuren. Wohl die reiche Krippenlandschaft in dieser Gegend, so Holzbaur, regte ihn zu dem Lied „Ihr Kinderlein kommet“ an. Bald jedoch übernahm er in Thannhausen als Kaplan die Betreuung des allgemeinen Schulwesens. Ganz im Sinne von Pestalozzi verfolgte er dabei den Grundsatz: Von der äußeren Anschauung zur inneren Einsicht und Erkenntnis. Er erfand eine Lesemethode mit Hilfe von beweglichen Buchstaben und erstellte Regeln für das Rechtschreiben, wobei er die Bedeutung des Stammwortes hervorhob. In der Fortbildungsschule sollten die Knaben im Zeichnen und im Obstanbau unterwiesen werden, die Mädchen in häuslicher Handarbeit und im Gemüseanbau. Weil er in der Diözese Augsburg keine Pfarrstelle erhielt, nahm er die Pfarrstelle in Oberstation in der damaligen Diözese Konstanz (Königsreich Württemberg) an. Doch König Ludwig I. holt ihn nach Bayern zurück, wo er im Domkapitel der Diözese Augsburg das Schulreferat übernahm. 87-jährig starb Christoph von Schmid 1854 an Colera. Doch als Freund der Kinder, so Erwin Holzbaur, hat er seinen Platz in den Herzen der Menschen gesichert.

Ein Jubiläumsgeschenk an die Stadt
Ein Christoph-von-Schmid-Abend beschließt das Jubiläum "50 Jahre Stadt Thannhausen"

Thannhausen (hli).Auf die Spuren ihres Namenspatrons begab sich die Christoph-von-Schmid-Realschule. Das Ergebnis der fächer- und klassenübergreifenden Aktion präsentierte sie zur Weihnachtsfeier 2003: Irene Ferrara zeichnete in ihrem Vortrag ein lebendiges und auf die Gegenwart bezogenes Porträt des bedeutenden Jugendschriftstellers. Die Schüler führten ein Theaterstück über den Namenspatron aus der Feder von Josef Schwarz auf. Für Interessierte gab es die im Fach Informationstechnologie unter Anleitung von Manfred Müller erarbeitete Dokumentation über Christoph von Schmid.Wären die literarischen Werke Christoph von Schmids, zu ihrer Zeit echte „Bestseller“, heute noch Kandidaten für ein Buchgeschenk unter dem Weihnachtsbaum? Irene Ferrara sprach sich in ihrem Fachvortrag vehement dagegen aus.Man würde bei den so beschenkten Kindern vermutlich nur Verständnislosigkeit und Spott ernten. Christoph von Schmid schrieb eben für Kinder einer ganz anderen Zeit und Gesellschaft, für Kinder mit ganz anderen Wertvorstellungen, Bedürfnissen und literarischen Vorbildern.    Einwände gelten nicht

Einwände aus der Sicht von Erwachsenen, die Schmid schon zu seinen Lebzeiten Simplifizierung vorgeworfen hatten, wollte Irene Ferrara nicht gelten lassen. Zwar stimme es, dass die Handlung in Schmids Erzählungen schematisiert sei und ein „unrealistischer, weltfremder Automatismus“ herrsche, demgemäß das Gute stets belohnt werde.Doch bräuchten Kinder damals wie heute einfache Wertvorstellungen und Prinzipien. Erst wenn sie diese verinnerlicht hätten, wären sie den Lebensstürmen gewachsen, könnten sie komplizierte moralische Fragen verstehen und beantworten.Die Aktualität Christoph von Schmids suchte Irene Ferrara also nicht beim literarischen Werk des berühmten Jugendschriftstellers, dessen in 24 Sprachen übersetztes Werk zum großen Teil während der 20 Jahre entstand, die der Autor in Thannhausen lebte.

Pädagogische Grundsätze    Die Aktualität Christoph von Schmids liege in seinen pädagogischen Grundsätzen. Was er von den Eltern, den Lehrer und der Gesellschaft forderte, das finde sich Punkt für Punkt „in modernen pädagogischen Abhandlungen und zahllosen Lebensratgebern unserer Zeit“, erklärte die Referentin: beispielsweise die Vorbildfunktion, der Respekt vor der kindlichen Persönlichkeit, die richtige Mitte zwischen Nachsichtigkeit und Strenge, die Förderung durch Forderung. Die Spaßgesellschaft müsse sich darüber klar werden, dass echter Spaß auf Fleiß und sinnvollem Tun beruhe und nicht auf „gedankenlosem Leichtsinn und leerer Vergnügungssucht“.   Drei Szenen   Drei Szenen fügte Josef Schwarz in seinem kurzen Theaterspiel „Die Kinder bei der Krippe“ so zusammen, dass einige wesentliche Wirkungen und Eigenheiten von Leben und Werk Christoph von Schmids lebendig wurden. In der ersten Szene unterhalten sich Schüler vor dem Denkmal des Jugendschriftstellers und fragen sich, was es mit dem Mann, der ein Buch in der Hand hat, auf sich habe. Eine seiner lehrhaften Geschichten, „Die goldenen Nüsse“, ist Gegenstand der zweiten Szene. Hier bekommt ein Kind schöne goldene Nüsse, die es eigensinnig unbedingt haben musste und erhält damit zugleich seine Strafe und Lehre. Die Nüsse sind nämlich leer und klären darüber auf, dass schöner Schein oft täuscht. Die dritte Szene handelt von der Entstehung des berühmten Liedes „Ihr Kinderlein kommet“, das Schmid während seiner Zeit als Kaplan in Nassenbeuren bei Mindelheim schrieb. Mit viel Elan und darstellerischem Talent setzten sich die Schüler in Szene. Sie bewegten das Publikum und brachten am Ende alle Teilnehmer der beiden Weihnachtsfeiern in der jeweils voll besetzten Aula der Realschule dazu, „Ihr Kinderlein kommet“ mit zu singen. Es war das Ende einer Veranstaltung, von der Konrektorin Eva Gantner sagte, sie sei der Schlusspunkt des 50. Jahres seit der Stadterhebung Thannhausens und das Jubiläumsgeschenk der Schule an die Stadt.

"Ehrwürdig für alle Zeit"
Christoph-von-Schmids Wirken in Thannhausen gewürdigt

Thannhausen (hli).

Einen großen Tag in der Geschichte Thannhausens nannte Bezirkstagspräsident Dr. Georg Simnacher den Tag der Einweihung des Christoph-von-Schmid-Denkmals, das vor dem heutigen Thannhauser Rathaus steht. Mit Blumenschmuck am Denkmal, einem Gottesdienst, in dem vor allem Lieder mit Texten von Christoph von Schmid und Anton Höfer gesungen wurden, sowie wie einem Vortrag von Professor Hans Pörnbacher im Pfarrheim gedachte Thannhausen dem 100-Jahre-Jubiläum des Denkmals. Pörnbacher zeigte auf, was sich Thannhausen und Christoph von Schmid wechselseitig „geschenkt“ hatten.Spektakulär ging es am 3. September 1901 in Thannhausen zu, als das für 30000 Mark von Oskar von Miller gefertigte Christoph-von-Schmid-Denkmal enthüllt wurde. Freudenschüsse und Glockengeläut, ein Sonderzug aus Augsburg, die Anwesenheit einer königlichen Hoheit und eines königlich-bayerischen Infantrieregiments zeigten an, welchen Stellenwert man in Thannhausen dem Ereignis beimaß.41 Tage zu spät und vergleichsweise unspektakulär war die Feier 100 Jahre danach. Aber vielleicht ist das die angemessene Art, ein Denkmal zu feiern, das, wie Simnacher meinte, eine Einladung zum pädagogischen Dialog, zu Toleranz und Gewaltlosigkeit darstellt. 1796 kam der 28 Jahre alte, hochbegabte Priester Christoph von Schmid nach Thannhausen. Er trat seinen Dienst als gräflich Stadionscher Kaplan und Schulinspektor an. War diese Begabung nicht zu schade für die Provinz? Waren es für Schmid nicht verlorene 20 Jahre? Der 80-jährige Schmid trauerte in seinen Erinnerungen den Jahren nach, die er damit vertan hatte, den Kindern das Alphabet und das Einmaleins beizubringen, anstatt seine echte Begabung entfalten zu können.Pörnbacher suchte zu zeigen, dass die Verbitterung des greisen Schmid insofern unangemessen war, als er seine Stärken genau aus den Tätigkeiten entwickelte, die er in Thannhausen ausübte und er überdies in Thannhausen geistige Wegbegleiter fand, die seine Entwicklung förderten. Schmid sei kein gelernter, aber ein ungemein talentierter Pädagoge gewesen, betonte Pörnbacher.Die Kinder durch Erziehung glücklich zu machen, sie „unter Lust und Lachen“ lernen zu lassen, ihnen das zu geben, woran sie am meisten Freude hatten, nämlich gute Geschichten, all das wurde zum Nährboden für Schmids Arbeiten zur Pädagogik und für seine Jugendbücher.Am Beispiel der „Genoveva“ wies Pörnbacher auf, wie sehr dieser Text erbaulich und rührend wirkt, welche literarische Qualität er hat und wie er doch ganz und gar auf die Lektürebedürfnisse von Kindern und Jugendlichen abgestimmt war. Ein kleines Wunder der Kulturpflege auf dem Land nannte Pörnbacher die Jahre, in denen Christoph von Schmid mit einigen Gleichgesinnten das Thannhauser Kulturleben ungemein bereicherte. In dieser Hinsicht sollte er den Bürgern von heute Vorbild sein. Hinsichtlich der Kluft von Wunsch und Wirklichkeit im Leben von Christoph von Schmid berief sich Pörnbacher abschließend auf Joseph Bernhart, der in seinem Lebensbild Schmids die Trostformel prägte: „Du bist um deiner Absicht ehrwürdig für alle Zeit“.

Wegweiser bis in fernste Zeiten
Das Thannhauser Christoph von Schmid-Denkmal wurde vor 100 Jahren eingeweiht

Von unserem Mitarbeiter Hans Bosch

Thannhausen

Der 3. September 1901 war ein Tag, wie ihn Thannhausen in seiner Geschichte noch nicht erlebt hatte. Die Enthüllung des Christoph von Schmid-Denkmals wurde zu einem einmaligen Ereignis, denn neben den offiziellen Gästen aus München und Augsburg kamen Tausende von Besuchern in den Markt, um „einfach dabei zu sein“ bei der großen Ehrung für den Jugendschriftsteller.Ein „frischer wunderschöner Herbstmorgen“ war dieser Dienstag, der sich ab 5 Uhr morgens mit sich ständig wiederholenden Freudenschüssen aus den Böllern und „weihevollem Glockenklang“ ankündigte. 70 weiß gekleidete Mädchen, sämtliche Thannhauser Vereine und das Festkomitee begrüßten Seine Exzellenz Regierungspräsident Ritter von Lermann und seine Begleitung bereits um 7 Uhr am Bahnhof. Er war mit dem Lokalzug aus Dinkelscherben gekommen.Den Regierungspräsidenten begrüßten der Vorsitzende des Denkmalkomitees Pfarrer Jakob Zwiebel, Bezirksamtmann Braun aus Krumbach und Thannhausens Bürgermeister Albert Waltenberger „ehrfurchtsvoll“. Im blumengeschmückten Wagen wurden die Gäste zunächst in den Pfarrhof und danach in das „Absteigequartier Zur Post“ gefahren. Derweil „durchwanderten hunderte festlich gekleideter Festteilnehmer“ bereits die Straßen. In der Kirche lasen zahlreiche Geistliche die Heilige Messe.

Ein Sonderzug aus Augsburg brachte zusätzliche Gäste und ebenso sämtliche fahrplanmäßigen Züge. Weitaus mehr eilten noch aus der Umgebung in den schönen Markt, darunter die gesamte Schuljugend aus Thannhausen, Balzhausen, Münsterhausen und Ziemetshausen. Rechtzeitig zum Festakt um 11 Uhr traf in zwei Kutschen des Fürsten Moriz von Oettingen-Wallerstein auf Schloss Seyfriedsberg Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Ludwig Ferdinand (so ihr wirklicher Name, die Redaktion) in Begleitung ihrer Tochter Prinzessin Maria del Pilar, Hofmarschall Freiherr von Ow und Hofdame Gräfin Tattenbach ein.Sie waren mit dem Zug aus München nach Dinkelscherben gefahren. An weiteren Adelsherren wurden begrüßt: Graf Fugger aus Kirchheim, Graf Stauffenberg aus Jettingen und Baron von Stetten aus Burtenbach. Hinzu kamen Vertreter des Kultusministeriums, der Kreisregierung von Schwaben, des Domkapitels Augsburg sowie der Städte München, Augsburg und Dinkelsbühl, des Geburtsortes von Christoph von Schmid. Auch dessen Großneffe Pfarrer Friedrich Schmid war anwesend. Dem eigentlichen Festakt ging ein feierliches Hochamt in der Kirche voraus. Drei Tribünen umgaben das verhüllte Denkmal auf dem Schulplatz, auf denen die „Prominenz“ Platz nahm. Den Reigen der Reden eröffnete Bürgermeister Waltenberger. Sein Fazit: „Möge am heutigen Tage ein frischer Lorbeerkranz um das Haupt unseres unvergesslichen Jugendschriftstellers Christoph von Schmid geflochten werden. Das walte Gott!“ Die Festrede hielt Pfarrer Jakob Zwiebel, Vorsitzender des Denkmalkomitees. Er ging davon aus, der Name Christoph von Schmid besitze „einen mächtigen, einen tiefen Klang“; denn „wo findet man einen Mann, dessen Name in 24 Sprachen mit Ruhm und Liebe genannt wird?“ Selbst ein Sultan habe befohlen, seine Schriften in die Sprache seines Landes zu übersetzen. Zwiebel kam zu dem Ergebnis: „Tausenden und Abertausenden von Jünglingen und Jungfrauen war der selige Jugendschriftsteller ein Schutzengel. Wegweiser und Führer wird er sein bis in die fernsten Zeiten.“Nach dem Choral „Lobe den Herren“ befahl Regierungspräsident Ritter von Lermann die Enthüllung des Denkmals. Dazu schreibt der Chronist: „Im Sonnenglanz zeigte sich das bestens gelungene Standbild, das Christoph von Schmid barhäuptig, im Priesterrock, mit Stock und Buch darstellt.“ Der hohe Granitsockel mache Steinmetzmeister Prestele aus Thannhausen alle Ehre. Gleiches gelte für die Miller’sche Erzgießerei in München, welche das Denkmal gegossen hatte. Die Gesamtkosten betrugen 30000 Mark. 13000 gab der Markt Thannhausen. Die restlichen 17000 Mark spendeten die Freunde Christoph von Schmids.Musik, Gesang, Gedichte und weitere Reden rundeten den Festakt ab. Für das Mittagsmahl „im schön geschmückten Saal der Post waren gegen 120 Gedecke aufgelegt“. Damit die „neugierigen Hausfrauen vorweg befriedigt seien“, wurde auch verraten, was die „vielgelobte Küche des Herrn Schreiegg“ bot, nämlich „Hirnsuppe mit zweierlei Einlagen, Fische mit Kartoffel und Butter, Lendenbraten mit Kartoffeln und Butterpasteten, Enten mit Endiviensalat und Apfelkompott, Gefrorenes, Obst und Dessert“. Das Essen wurde unterbrochen mit Trinksprüchen, Beiträgen des Thannhauser Gesangvereins und der „Liedertafel an der Mindel“ sowie der Bekanntgabe verschiedener inzwischen eingelaufener Glückwunschtelegramme. Erst gegen 17 Uhr endete das Mahl. Der Chronist: „Unterdessen ging es aber im ganzen Orte sehr lebendig her und die Wirtschaften bzw. deren Küche und Keller hatten nach der Enthüllungsfeier einen wahren Sturm auszuhalten. Daß in Thannhausen voller Feiertag war, ist selbstredend.“

Sehr angenehme Erinnerungen      Obwohl noch am Abend eine Feier im „Stern“ stattfand und am folgenden Tag ein Trauergottesdienst für Christoph von Schmid mit anschließendem Frühschoppen in der Weinstube Philipp Schmid, reisten die auswärtigen Gäste zumeist am Abend wieder ab. So kommt der Schreiber im „Krumbacher Boten“ über den Festtag zu folgendem Resümee: „Alle Teilnehmer nahmen sehr angenehme Erinnerungen mit nach Hause; ist man doch gut bewirtet und vorzüglich beherbergt und dabei nicht übernommen worden. Und so dürfte auch in Zukunft mancher der Teilnehmer wiederkehren auf kürzere und längere Zeit. Wir gönnen es den Thannhausern!“

Von Dekan Ludwig Gschwind        Thannhauser Sammlung 200 Jahre alt      11.10.2007

Thannhausen In seinem Hirtenbrief von 1782 forderte der Salzburger Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo die Einführung deutscher Kirchenlieder. Als Kind der Aufklärung wollte er nicht nur das Gefühl der Gläubigen angesprochen wissen, sondern auch den Verstand.
In der Diözese Augsburg war es Christoph von Schmid, der eine ganze Reihe neuer Lieder verfasste und sie entweder alten Melodien unterlegte oder vom Thannhauser Lehrer Anton Höfer neue Melodien komponieren ließ. 1807 veröffentlichte der Thannhauser Benefiziat seine "Sammlung christlicher Gesänge zur öffentlichen Gottesverehrung". In dem kleinen handlichen Büchlein sind 109 Lieder ohne Melodie und auch ohne Angabe des jeweiligen Textdichters abgedruckt. Christoph von Schmid hat in dem Gesangbuch neben seinen eigenen Liedern auch damals bekannte deutsche Kirchenlieder zusammengestellt.
Vor der Veröffentlichung des ersten Augsburger Diözesangebetbuches "Laudate" 1854 war Christoph von Schmids Liederbüchlein bereits in der ganzen Diözese verbreitet und eine Reihe von Liedern aus der Feder des Thannhauser Benefiziaten haben auch Eingang in den Nachbardiözesen gefunden.
Nur ein einziges Lied fand Aufnahme in das 1975 von den Bischöfen Deutschlands, Österreichs und den Bistümern Bozen-Brixen und Lüttich herausgegebene "Gotteslob". Es ist das Lied "Beim letzten Abendmahle", allerdings um eine Strophe gekürzt. Die Beliebtheit anderer Lieder Schmids sind als "Sondergut" in Diözesananhängen erhalten geblieben. Die Erzdiözese Freiburg beispielsweise hat in ihrem Eigenteil aber allein vier Lieder mit Texten Christoph von Schmids: "Christ ist erstanden", "O Mutter Jesu, freue dich!" "Gib, Herr, uns deinen Segen" und "Ihr Kinderlein kommet".
Dekanate und Pfarreien ließen zusätzlich Liederbüchlein drucken, um beliebtes Liedgut zu retten. 1983 brachte die Augsburger Diözese einen zweiten Liedanhang heraus, in dem dann noch Lieder wie etwa "Gib, Herr, uns deinen Segen" Aufnahme fanden. Andere Lieder wie etwa "Komm, Heilger Geist, auf uns herab" blieben unerwähnt. Schmid in seiner Bescheidenheit würde dagegen wohl keinen Protest erheben. Von den 109 Liedern, die Christoph von Schmid für seine "Christlichen Gesänge zur öffentlichen Gottesverehrung" gesammelt und verfasst hat, haben 20 sich bis heute erhalten. Sicher ist: Christoph von Schmid wird seinen Platz behalten neben Friedrich von Spee und Paul Gerhardt, neben Martin Luther und Angelus Silesius.
Die Stadtpfarrei Thannhausen und der Heimatverein Thannhausen begehen den 200. Jahrestag mit einem festlichen Gottesdienst, bei dem die Lieder Christoph von Schmids gesungen werden. Er findet am 14. Oktober in der Stadtpfarrkirche statt. Beginn: 19 Uhr. Die Predigt wird Dekan Monsignore Gschwind halten.

Christoph von Schmid