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Presseartikel über Christoph von Schmid
| Sie schafften die geistigen Grundlagen | ||
Von Christoph von Schmid, Anton Höfer und anderen
bedeutenden Persönlichkeiten aus der Mindelstadt Thannhausen -
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Von unserem Mitarbeiter Dr. Heinrich Lindenmayr Man stelle sich vor, in Thannhausen lebte und wirkte heute der erfolgreichste Jugendschriftsteller unserer Zeit. Seine Werke würden in viele Sprachen übersetzt, erreichten Millionen-Auflagen, es gäbe Verfilmungen dazu, Hörspiele, Musicals, Spielzeug nach Motiven der Bücher und vieles mehr. Ein Teil der Aufmerksamkeit für den Schriftsteller fiele auf Thannhausen als der „Wiege“ der so erfolgreichen Werke, Thannhausen wäre in aller Munde. Zur reichen geistigen Vergangenheit Thannhausens gehört Christoph von Schmid, der bedeutendste Jugendschriftsteller seiner Zeit. Ihm zur Seite stehen in der „Ahnengalerie“ Thannhausens Literaten, Komponisten, Baumeister, Pädagogen und von Visionen beflügelte Tatmenschen. Wäre er nicht durch die vielfältigen Aufgaben als Kaplan und Schulinspektor während der Thannhauser Jahre von 1796 bis 1816 so in Anspruch genommen gewesen, es wäre ein Schriftsteller aus ihm geworden, beklagt sich Christoph von Schmid in seinen Lebenserinnerungen. Sein Verhältnis zur Mindelstadt ist ein zwiespältiges. Er weiß, dass er hier ein reiches Feld fruchtbarer Arbeit vorfand, das ihn prägte und aus dem er Impulse erhielt. „Ich ging zu Kindern selbst in die Schule und lernte von ihnen“, soll er, nach seinem schriftstellerischen Erfolgsrezept befragt, geantwortet haben. Andererseits kostete ihn der Alltag auf seinem Thannhauser Benefizium so viel Kraft und Zeit, dass an eine ausgedehnte schriftstellerische Tätigkeit nicht zu denken war. Man kann also nur spekulieren, was geworden wäre, hätte Schmid in den Thannhauser Jahren sich intensiv dem Schreiben widmen und seine literarischen Produkte schon damals veröffentlichen können. Vielleicht wäre er schon früher berühmt geworden, vielleicht wäre ein Teil von dem Glanz auf Thannhausen gefallen.Schmid konnte erst in späteren Lebensjahren, als die große Arbeitsbelastung der Thannhauser Zeit von ihm genommen war, sich intensiv dem Schreiben und Publizieren widmen. Doch auch wenn die in Thannhausen verfassten beiden Erzählungen „Genovefa“ und „Die Ostereier“ sowie die „Biblische Geschichte für Kinder“ nur einen Bruchteil seines Werkes ausmachen, es sind die erfolgreichsten und wirkungsmächtigsten Arbeiten von Schmid. Das Wenige, das in Thannhausen entstehen konnte, es war und blieb sein Bestes. Die „Biblische Geschichte für Kinder“ wurde bald ein Standardwerk für den Schulunterricht in und außerhalb Bayerns. Die 1810 erstmals in Druck erschienene Erzählung „Genovefa“ erreichte bis 1840 etwa 25 Auflagen und wurde in ebenso viele Sprachen übersetzt. Vor allem in Frankreich war Christoph von Schmid außerordentlich geschätzt, die erste Ausgabe der Schmidschen Erzählungen auf Französisch erschien 1830 in Paris. Die „Genovefa“ in der Fassung von Schmid wurde rasch so populär, dass sich andere Autoren angeregt fühlten, den Stoff anderweitig zu bearbeiten: 1830 entstand die erste Theaterfassung, ein paar Jahre später ein Volksschauspiel in fünf Aufzügen.Aus der „Genovefa“ wurde ein Puppenspiel, sie wurde Gegenstand von Gedichten und Balladen. Bis nach dem 2. Weltkrieg hielt die Erfolgsgeschichte an. Heutige Leser empfinden die Geschichte zu sehr mit Unterweisungen und Belehrung befrachtet. Was Schmid damals auszeichnete, die geschickte Verbindung von Literatur und Pädagoge ist in diesem Maße nicht mehr gefragt. Während der Jahre, die Christoph von Schmid in Thannhausen verbrachte, kam dort ein zweiter bedeutender Jugendschriftsteller zur Welt, Wilhelm Bauberger. Er war Arzt, nahm aber großen Einfluss auf das kulturelle Leben Thannhausens. In seinem Haus auf dem Schlossberg gab es ein „Bilderzimmer“, in dem 19 Ölgemälde Szenen aus seinen literarischen Werken darstellten. Bauberger ließ unterhalb seines Anwesens eine Theaterhalle errichten und dort Schauspiele aufführen, wozu der Augsburger Komponist und Domkapellmeister Carl Kammerlaender Musik schrieb. Sein erfolgreichstes Werk, das im 19. Jahrhundert weite Verbreitung fand, war die Erzählung „Die Beatushöhle“. Er hatte es bereits als 19-jähriger Medizinstudent verfasst. Zeit seines Lebens fügte er allen Werktiteln „Der Verfasser der Beatushöhle“ hinzu. Zu den Weggefährten Christoph von Schmids in Thannhausen gehörte der Pädagoge und Musiker Anton Höfer (1793 bis 1837). Im Verbund mit ihm, dem gewissenhaften Lehrer und glänzend begabten Musiker, konnte Schmid eine seiner Ideen realisieren, nämlich den Volksgesang in Kirche und Schule einzuführen und zu kultivieren. Die Arbeitsteilung, dass Schmid Liedtexte entwarf und Höfer sie vertonte, trug reiche Frucht. Vieles davon ist bis heute in Gebrauch (Ihr Kinderlein kommet...).Noch bekannter als des Vaters Kirchenlieder, sind die des in Thannhausen geborenen Sohnes Albert Höfer (1802 bis 1857). Viele hochpoetische Texte aus dem „Gotteslob“ und viele bekannte Melodien stammen aus der Feder von Albert Höfer, der schon mit 23 Jahren die Priesterweihe erhielt und zeitweilig auch Landtagsabgeordneter war. Gäbe es eine Untersuchung darüber, welche Kirchenlieder am meisten gespielt werden, von Höfer gäbe es einige aussichtsreiche Kandidaten für Spitzenplätze, vor allem sein strahlendes, bei schwäbischen Osterfeiern unverzichtbares „Jesus lebt“. Deutliche Spuren in Thannhausen und in Mittelschwaben hinterließ der Baumeister Johann Kaspar Radmiller (1692 bis 1775), der 1729 nach Thannhausen kam und dort bis zu seinem Tod lebte. Er baute die Pfarrkirche (1743); Amtshaus für die Grafen Stadion (heute Birnbaum-Apotheke), ein herrschaftliches Wohnhaus (späteres Rentamt) und gestaltete die Fassade des Gerichtshauses (heute Gassnerhaus). Die Wallfahrtskirche von Mindelzell, die Pfarrkirche in Ichenhausen, das Schloss in Burtenbach sind weitere Zeugen der Baukunst von Radmiller, der auch maßgeblich am Entwurf und dem Bau des Reichsstifts Ottobeuren mitwirkte. Ganz entschieden profitierte der Markt Thannhausen von den Visionen und der Tatkraft eines Jakob Zwiebel, der von 1896 bis 1918 Pfarrer in Thannhausen war. Die Liste dessen, was er dem Markt gab, ist imposant, die zeitliche Abfolge beeindruckend: Zwiebel initiierte ein Jahr nach seinem Amtsantritt die Raiffeisenbank (1897), gründete einen katholischen Gesellenverein (1898). Das Christoph-von-Schmid-Denkmal ist sein „Werk“ (1901) und 1908 ließ er eine Gedenktafel am Bauberger-Haus anbringen. Er gab die Impulse zum Bau eines Elektrizitäts-Werks (1903), unter seiner Regie wurden der Friedhof erweitert (1904) die Lourdes-Kapelle (1904) und ein Leichenhaus gebaut (1907). Zwiebel rief die ambulante Krankenpflege ins Leben (1906) und setzte seinen erheblichen Einfluss dafür ein, dass Thannhausen ein Krankenhaus bekam (1913). Kaufmännisches Talent und eine soziale Ader zeichnen auch Franz Xaver Stadler (1789-1865) aus. Der gebürtige Thannhauser war erfolgreicher Geschäftsmann und wurde zum Wohltäter: auf ihn gehen die Armen-Getreide-Stiftung (1850) in Augsburg und der Bau eines Altenheimes, des Stadlerstifts, in seiner Heimatstadt (1865) zurück. Seiner besonderen Bürger gedenkt Thannhausen heute in besonderer Weise: im Heimatmuseum befinden sich Zimmer, die dem Leben und Wirken eines Christoph-von-Schmid und eines Wilhelm Bauberger gewidmet sind. Das Schmid-Zimmer soll nach und nach dem Studierzimmer Schmids in Augsburg nachgestaltet werden, das Bauberger-Zimmer war von Anfang an als „Bilderzimmer“ angelegt, wie es der Dichter in seinem Wohnhaus auf dem Schlossberg hatte. |
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| 10.05.2003 00:00 | ||
| "Ihr Kinderlein kommet" in Nassenbeuren | ||||||||||||||||||
Mindelheim gedenkt des 150. Todestages des Kinder- und Jugendbuchschriftstellers Christoph von Schmid |
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Mindelheim (sh/vj). Das bekannte Weihnachtslied „Ihr Kinderlein kommet“ wurde wohl an Weihnachten 1794 in Nassenbeuren von Pfarrer Christoph von Schmid geschrieben. Die Stadt Mindelheim wird mit mehreren Veranstaltungen dem 150. Todestag des wohl erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchschriftstellers des 19. Jahrhunderts gedenken. Den Auftakt bildet, so teilt Kulturamtsleiter Christian Schedler mit, eine Weihnachtsvesper bei Kerzenschein mit Liedern und Texten Christoph von Schmids und eine Kindersegnung am Sonntag, 28. Dezember, um 16 Uhr in der prachtvollen spätbarocken Maria-Schnee-Kapelle in Nassenbeuren. Mindelheimer Kinder singen dabei „Ihr Kinderlein kommet“ in der ursprünglichen und der heute bekannten Fassung. Bereits im Vorfeld wurden Fernseh-Aufnahmen gemacht. In der Rundschau des 3. Fernsehprogrammes des Bayerischen Rundfunks werden kurze Einblendungen am heutigen Dienstag, 23. Dezember um 21.30 Uhr, sowie im Allgäu-TV am 2. Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, um 18 Uhr, zu sehen sein.Der Lebensweg Über den Lebensweg von Christoph von Schmid referierte kürzlich Heimatpfleger Erwin Holzbaur vor der Katholischen Erziehergemeinschaft im Pfarrsaal in Mindelheim.Geboren wurde Schmid 1768 in Dinkelsbühl. Schon in jüngsten Schülerjahren verdiente er sich als Privatlehrer seinen Unterhalt. Gerne las er die großen deutschen Klassiker wie Herder, Lessing oder Goethe. Doch entscheidend für seinen Lebensweg war für ihn die Begegnung mit dem Priester und Erzieher Johann Michael Sailer, dem späteren Bischof von Regensburg.Reiche KrippenlandschaftNach seiner Priesterweihe war er für einige Jahre Kaplan in Nassenbeuren. Wohl die reiche Krippenlandschaft in dieser Gegend, so Holzbaur, regte ihn zu dem Lied „Ihr Kinderlein kommet“ an. Bald jedoch übernahm er in Thannhausen als Kaplan die Betreuung des allgemeinen Schulwesens. Ganz im Sinne von Pestalozzi verfolgte er dabei den Grundsatz: Von der äußeren Anschauung zur inneren Einsicht und Erkenntnis. Er erfand eine Lesemethode mit Hilfe von beweglichen Buchstaben und erstellte Regeln für das Rechtschreiben, wobei er die Bedeutung des Stammwortes hervorhob. In der Fortbildungsschule sollten die Knaben im Zeichnen und im Obstanbau unterwiesen werden, die Mädchen in häuslicher Handarbeit und im Gemüseanbau. Weil er in der Diözese Augsburg keine Pfarrstelle erhielt, nahm er die Pfarrstelle in Oberstation in der damaligen Diözese Konstanz (Königsreich Württemberg) an. Doch König Ludwig I. holt ihn nach Bayern zurück, wo er im Domkapitel der Diözese Augsburg das Schulreferat übernahm. 87-jährig starb Christoph von Schmid 1854 an Colera. Doch als Freund der Kinder, so Erwin Holzbaur, hat er seinen Platz in den Herzen der Menschen gesichert.
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