Top-Galeristen
und ihre Wurzeln an der Mindel
Als Josef Schuster aus Thannhausen erfuhr,
dass das berühmte Guggenheim Museum in New York eine in Kunstkreisen kaum
minder bekannte Abteilung mit dem Namen "The Thannhauser Collection"
hat, ließ ihm das keine Ruhe mehr. Hat der Name dieser außerordentlichen
Sammlung von 73 Spitzenwerken der Moderne, darunter 32 Werke von Pablo Picasso,
etwas zu tun mit Thannhausen in Schwaben? Josef Schuster forschte nach und ihm
wurde bestätigt, dass die Vorfahren dieser Kunsthändler aus einer Gemeinde
namens Thannhausen in der Nähe von Ulm stammten und dass einer dieser Vorfahren
Baruch Löw hieß. Dieser Baruch Löw ist im Bronnenmaier-Heimatbuch
nachgewiesen, so steht für Josef Schuster fest, dass die Wurzeln der
"Thannhauser" nach Thannhausen zurück reichen, was er jetzt im
Pfarrheim darlegte.
Heinrich und Justin Thannhauser waren Kunstsammler und Kunstkenner. Allein die
Tatsachen, dass sie die erste Ausstellung des dann bald berühmt gewordenen
"Blauen Reiter" organisierten und dass Justin Thannhauser
"der" Galerist von Pablo Picasso wurde, sprechen für sich.
Begegnung mit Picasso
Eine Anekdote erzählt, dass der noch erfolglose und mittellose Picasso mit
einem Bild durch Paris gelaufen sei. Als er an einem Straßencafe vorbeikam, in
dem Justin Thannhauser saß, habe der sich das Bild zeigen lassen und es spontan
für 100 Francs gekauft. Das war der Beginn einer Freundschaft und erfolgreichen
Zusammenarbeit von Thannhauser und Picasso.
Heinrich und Justin Thannhauser waren Kunsthändler und keine Kunstsammler. Sie
machten es sich aber zur Gewohnheit, pro Jahr ein Bild beiseite zu nehmen und
bauten damit eine kleine, feine Sammlung auf. Diese bildete den Grundstock für
die "Thannhauser Collection" des Guggenheim Museums. Den kleinen
Vortrag von Josef Schuster im Pfarrheim Thannhausen ergänzte Sigurd Rakel mit
einem Referat über die außergewöhnliche Kunstkennerschaft von Heinrich und
Justin Thannhauser. Rakel würdigte das außerordentliche Gespür der beiden
Galeristen, ihren Verdienst für die Entwicklung der modernen Kunst. Mit der
400-jährigen Bildtradition hätten die damaligen Künstler gebrochen, betonte
Rakel. Den Normalbürger habe das verstört, aber Heinrich und Justin
Thannhauser hätten den Wert dieser Bilder erkannt und seien auf diesem Wege zu
Pionieren der neueren Kunst geworden.
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Heimatheft Nr.11